Partielle Sonnenfinsternis am 12. August 2026
An diesem schönen Sommerabend war ich am kleinen Moor-Parkplatz in der Nähe von Gut Weghaus im oberbayerischen Werdenfelser Land. Ein Elternpaar mit Tocher war schon dort, ein freundliches und interessiertes Paar kam später dazu. Einige hatten die bekannten SoFi-Brillen (aus Pappe) dabei, andere gar nichts. Und natürlich wollten alle gerne das Naturschauspiel einer seltenen Sonnenfinsternis "live" erleben!
Es war klar, dass wir von diesem Standort aus (47°37'22"N / 11°11'30"E) nicht den gesamten Verlauf der Bedeckung erleben konnten. Dazu hätten wir viel weiter westlich sein müssen, wo die Sonne zur gleichen Zeit noch deutlich höher am Himmel stand. Auch die vollständige Bedeckung der Sonne durch den Mond (totale Sonnenfinsternis) war in Europa nur in einem quer über Spanien laufenden Streifen zu beobachten.
Die maximal mögliche Bedeckung der Sonne durch den Mond geschah in unsere Breiten direkt bevor die Sonne hinter dem (gedacht flachen) Horizont unterging. Bei uns ging die Sonne aber bereits 15-20 Minuten früher hinter den Ausläufern der Ammergauer Alpen unter. Wäre in unserer Beobachtungsrichtung das Meer gewesen (Horizont-Höhe »0°«) also völlig eben und flach, hätten wir unser lokales Maximum beobachten können: Genau so viel Bedeckung, wie es hier eben maximal zu sehen gab.
Vollständige Simulation der bei uns maximal möglichen Bedeckung
Ich habe mit Stellarium eine Simulation des vollständigen Verlaufs der partiellen Sonnenfinsternis und ihres lokalen Maximums erstellt. Das Video zeigt die beschleunigt ablaufende Uhrzeit an und dauert deshalb nur 1 Minute. Eine ruhige Musik dient der Untermalung der schönen Stimmung, die wir live erlebt haben: Lautsprecher an ... zurück lehnen und genießen!
Video-Simulation - Klicken zum Abspielen (öffnet im Browser)
Software: Stellarium + eigene Linux-Shellskripte + ImageMagick + VokoScreenNG
Sonnenprojektor live!
Ich hatte einen simplen "Sonnenprojektor" aufgebaut: Ein Spektiv (Fernrohr) klemmte auf einem Fotostativ. Das Spektiv hatte keinen Sonnenfilter - deshalb durfte man auf keinen Fall mit den eigenen Augen hindurch sehen.
Um die Sonne zu treffen, nutzte ich den Schatten, der auf das weiße Blatt - altes Ringbuch auf Notenständer - geworfen wurde. Das Licht der Sonne muss exakt gerade von der vorderen Linse des Fernrohrs durch dieses hindurch bis zum Okular ("Guckloch") leuchten.
Das heißt, das Spektiv steht nun so, dass die eintreffenden Lichtstrahlen völlig gerade von der Frontlinse bis auf das weiße Papierblatt verlaufen.
Sobald man die Sonne zentriert hat, kann man sehr bequem und ungefährlich das Bild auf dem weißen Papier scharf stellen. Es ist wie bei einem klassischen Diaprojektor: Je weiter die "Leinwand" (das weiße Papier) vom "Projektor" (Fernglas) entfernt ist, desto größer wird die Abbildung ... aber auch zunehmend blasser! Und natürlich muss man für jede Änderung der Entfernung neu scharfstellen.
Das perfekt auf Sonne und Mond ausgerichtete Spektiv projiziert deren Bild
Das Spektiv ist perfekt auf die Sonne ausgerichtet. Sonne (gelb) und Mond (schwarz) sind genau in der Mitte von dem kreisrunden Schattenwurf des Spektivs auf der weißen Fläche.
Bild 1: Schattenwurf und Projektion des Spektivs auf der weißen Fläche.

Bildinformation: Das Spektiv ist perfekt ausgerichtet, Sonne und Mond werden auf die weiße Fläche projiziert.
Auf diese Weise können gleich mehrere Menschen ohne SoFi-Brille und ohne die geringste Gefahr, den Ablauf der Sonnenfinsternis "live" beobachten. Weil aber die Sonne und der Mond überraschend schnell weiter wandern, muss man die Optik (Spektiv, Fernrohr, ...) oft wieder von Hand ein kleines Stück "der Sonne hinterher" schieben. Dank der Sonnenprojektion auf dem weißen Papier und des dort gut sichtbaren Schattenwurfs der Optik kann man die Sonne mit etwas Übung wieder ziemlich schnell neu zentrieren.
Schwarze Zacken
Als ich wieder auf den Sonnenprojektor schaue, sehe ich plötzlich einige winzige schwarze Zacken, die sehr langsam größer werden, in die Sonnenscheibe hinein ragen ... ich bin zunächst irritiert.
Bild 2: Schwarze Zacken.
Bildinformation: Im projizierten Bild erscheinen plötzlich einige schwarze Zacken vor der Sonne.
Klar, das projizierte Sonnenbild steht ja auf dem Kopf - oben ist unten! Also muss das der Bergwald sein! Sofort eile ich zur Kamera, die ich jetzt ebenfalls ganz schnell neu ausrichten muss.
Sonne und Mond versinken hinter dem Bergwald - traumhaft schön!
Es sind tatsächlich gestochen scharfe Baumsilhouetten auf den Höhen der ins Alpenvorland abfallenden Ammergauer Alpen zu sehen - direkt vor der schnell versinkenden Sonne!
Ich kann mich nicht satt sehen, an dieser Schönheit ... und mache sorgfältig meine letzten Fotos. Das für mich (ästhetischste) Einzelbild von allen, die ich fotografiert und bearbeitet habe, zeigt die folgende Szene.
Zum Ende der Sichtbarkeit werde ich wunderbar überrascht
Für mich ist es, so kurz vor dem Ende der Sichtbarkeit, eine echte Überraschung und große Freude, dass die bewaldeten Bergrücken am Horizont nicht(!) etwa meine Aufnahmeserie stören, sondern sie im Gegenteil sogar deutlich bereichern!
Die Sonne und ihre direkte Umgebung verschmolzen gleißend hell im horizontnahen Dunst, sodass wir sie zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr (ohne SoFi-Brille) erkennen konnten. Nur durch den Blick zu meinem Sonnenprojektor war ich gerade noch rechtzeitig auf diese Szene aufmerksam geworden. Sofort "drängte" ich auch alle anderen, noch einmal schnell zum Sonnenprojektor zu kommen, wo man alles gut vergrößert sehen konnte.
Die Collage - das große Ganze
Diese Collage zeigt, von der noch unbedeckten Sonne ausgehend, einige Verdunkelungsstufen, die wir von unserem Standort aus beobachten konnten. Das hinter dieser Vorschau liegende Bild ist 4000x4000 Pixel groß - bitte rein zoomen und spazieren Sehen!
Das mittlere Bild "Frank in action" hat Christine Kiesewetter freundlicher Weise beigesteuert.
So ... das wäre geschafft! Ich habe lange daran gearbeitet, weil ich mit persönlicher Begeisterung und "Herzblut" dabei war. Oder wie es schon in der Bibel heißt:
Groß sind die Werke des HERRN; wer sie erforscht,
der hat Freude daran. – Psalm 11,2
< = >
Ich liebe den Himmel
und der Himmel liebt mich
TAGS:
#FrankStefani #Fotografie #Astronomie #astronomy #Sonne
#Collage #zoom #video #mp4 #SoFi #Sonnenfinsternis #partiell
#Sonnenflecke #Sonnenfleck #justDoIt #GottSeiDank #thankGod
#loveNature #loveLife #lessIsMore



